Aus der Heimat vertrieben

Am 19.Januar 1945 um 22:00 Uhr bekamen wir die Nachricht ins Haus, dass bis 03:00 Uhr sämtliche Bewohner von Malen, Kreis Oels (NiederSchlesien), auf der Straße zum Abtransport fertig sein müssen.
Mein Mann war Soldat und im Krieg.
Es sei nur das Notwendigste mit zu nehmen. Der Transport ginge in Richtung Breslau weiter bis in das Riesengebirge.
Mit LKW’s wurden 2 Kinder, 3,5 und 1,5 Jahre alt und ich mit anderen Müttern mit Kinder aufgeladen. In der Nacht ging es bis Groß Wierau, Kreis Schweidnitz. Zwei Wochen blieben wir dort.
Dann wurden wir von Schweidnitz mit einem Lazarettzug Richtung Sachsen transportiert. Wir wollten von Schweidnitz nach Bayern. Nach Tagen kamen wir in Erfurt an.
Mir wurden Koffer mit Kindersachen und Schmuck gestohlen.
Bleiben durften wir dort nicht wegen der Bombenangriffe.
Es ging weiter bis nach Dresden in ein Massenquartier.
Wollte mit den Kindern nach Chemnitz zu Geschäftsfreunden. Unterwegs in Falkenberg/Elster mussten wir aussteigen.
Der jüngste Sohn wurde schwer krank. Fieberhafter Darmkatarrh.
Ein Eisenbahner nahm uns auf; wohnte in Falkenberg. Er und seine Frau halfen meinen Sohn gesund zu pflegen.
Nach Wochen wollten wir nach Schlesien zurück . Bis nach Görlitz kamen wir. Über die Neiße war es ja unmöglich.
Fuhren nach Chemnitz. Dort erlebten wir das Kriegsende.
Im Sommer 1945 fuhren wir nach Weißenfels, wo meine Cousine verheiratet war.
Die Verwandtschaft hatte sich bei ihr gemeldet.
Mit meinen Kindern bekam ich dort Unterkunft. Konnte später im Kindergarten ein paar Stunden arbeiten.
Die Flucht meine Mutter und Oma endete in der Tschechei. Am 1. September 1945 holte ich meine Mutter dort ab. Meine Oma hat das Kriegsende nicht mehr erlebt. Sie ist verhungert.
1946 kam mein Mann aus der Gefangenschaft zurück.

Geschrieben von Irene Lentge